Weite im Denken und Sorgfalt im Detail
Schwester Franziska Weidinger aus der Maria-Ward-Schulstiftung verabschiedet

Neuhaus am Inn/Passau. „Weite im Denken - Sorgfalt im Detail“ war die Grundlage der Arbeit von Schwester Franziska Weidinger CJ, die 25 Jahre lang in der Geschäftsführung der Maria-Ward-Schulstiftung tätig war. Sie wurde in der Maria Ward Realschule Neuhaus, einer der sieben Stiftungsschulen, am 6. Juli 2016 in den Ruhestand verabschiedet. Sie hat ihr Feld bestellt: Nachfolger wird der frühere Neuhauser Schulleiter Helmut Schwarz, die Geschäftsführungsaufgaben übernimmt Hannelore Eichberger.
„Kreative Spannungen“ prägten das Wirken von Schwester Franziska, stellte die Provizialoberin Schwester Sabine Adam CJ fest. Schwester Franziska lebte, wirkte und arbeitete unermüdlich und pflichtbewusst aus der lebendigen Beziehung zu Gott und wollte dies stets auch den Schülern und Schülerinnen ermöglichen, für deren Schulen sie verantwortlich war.  Sie war auch eine Mitbegründerin der Maria-Ward-Schulstiftung, der seit 1993 neben dem Auersperg Gymnasium in Passau-Freudenhain die Realschule in Neuhaus am Inn angehört, ebenso das Maria-Ward-Gymnasium und die Realschule in Altötting, die Realschulen in Burghausen, Osterhofen-Damenstift und Deggendorf. Diese sieben Schulen wurden von den Schwestern der Congregatio Jesu, den „Englischen Fräulein" gegründet. Schwester Franziska Weidinger zeigte ihre Leidenschaft für die Schulen, als die Schwestern sie nicht mehr halten konnten und sich aus den Klosterniederlassungen zurückzogen. Sie suchte neue Partner und ging neue Wege, „immer im Wissen, dass Geld nur ein Mittel ist im Dienst an der Sendung", betonte Schwester Sabine Adam. Die scheidende Ökonomin, die bis zum Jahr 2014 auch für die wirtschaftlichen Belange der Mitteleuropäischen Provinz des Ordens verantwortlich war, erkannte den christlichen Auftrag in der Gesellschaft von heute. So können die Stiftungsschulen den Geist die Erziehungsgrundsätze der Stifterin Maria Ward weitertragen. Schwester Sabine Adam sah das Ausscheiden von Schwester Franziska als das Ende einer Ära, denn „der Wind gegenüber der christlichen Schule ist rauer geworden". Bei undurchsichtiger werdender Finanzsituation sei noch mehr Beratung und Expertenwissen gefragt.
Als die „Seele der Schulstiftung“, stets mit großer Begeisterung, Hilfsbereitschaft und mit Pflichtbewusstsein würdigte der Vorstandsvorsitzende der Schulstiftung Dr. Heinz-Günther Kuhls das Wirken von Schwester Franziska. Sie habe der Stiftung, die für 4300 Schülerinnen und Schüler und 425 Mitarbeitende verantwortlich ist, „ein Gesicht gegeben“.
Fest verwurzelt im Glauben und in der Ordensgemeinschaft ist, zielstrebig in Verhandlungen, dabei konsequent und liebenswürdig, die sich die Liebenswürdigkeit auch bewahren konnte, wenn es in Gesprächen darum ging, zu vermitteln, dass manches nicht finanzierbar ist. So hatte Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner Schwester Franziska als Verhandlungspartnerin für die Schulen kennen und schätzen gelernt: „Sie weiß, wovon sie redet". Immerhin ging es darum in der Stiftung einen Haushalt von 30 Millionen Euro verantwortungsvoll zu verwalten.
Schwester Franziska habe „nie die Verantwortung gescheut und für den Kurs des Schiffes Schulstiftung immer den rechten Kurs bestimmt“, betonte Generalvikar Dr. Klaus Metzl. Landrat Franz Meyer erinnerte dankbar an die wichtigen und zukunftsweisenden Entscheidungen von Schwester Franziska auch für die Maria Ward Realschule in Neuhaus nach dem Hochwasser 2013. Er sagte der Schulstiftung für ihren wichtigen Dienst in der Werteerziehung auch für die Zukunft die Unterstützung des Landkreises Passau zu. Der Neuhauser Bürgermeister Josef Schifferer betonte die Aufrichtigkeit, die Verlässlichkeit und Geradlinigkeit, die Schwester Franziska stets bei den Bauverhandlungen an den Tag legte.
Als aufmerksame Zuhörerin, die immer wohlwollend entschieden hat, beschrieb Aloisia Bauer, die Schulleiterin der Maria Ward Realschule Deggendorf, die scheidende Schwester. Sie bescheinigte ihr gewaltigen Fleiß und Bodenständigkeit, Liebe zur Krimi-Lektüre und zu den Blumen. Die Mitglieder der Schulleitung aus den Stiftungsschulen sangen zu Ehren der scheidenden Schwester eine Bearbeitung des „Gefangenenchors" aus der Oper „Nabucco“: „Alle Bilanzen hast du stets hervorragend gemacht - die Höhe der Zinsen hast du stets gewusst, denn für Schulen, da schlägt deine Brust.“ Auch die Schüler der Neuhauser Realschule trugen mit fröhlichen Liedern zur Feier bei, mit ihrem „Neuhaus-Lied“ und vor allem auch mit dem „Maria-Ward-Lied“. Herzliche Worte und viele gute Wünsche gab es auch von den Mitarbeitervertretungen und den Schülersprechern der Stiftungsschulen.
„Es geht um die Kinder, und da darf keine Mühe zu hoch und kein Preis zu viel sein“, umschrieb Schwester Franziska ihre Tätigkeit für die Schulstiftung. Ihr Grundsatz am En de ihrer Tätigkeit sei: „Man muss gehen, wenn man noch gebraucht wird.“ In ihren Aufgaben, so räumte sie ein, habe es Licht und Schatten gegeben, aber sie habe sich immer auch an das Wort der Ordensgründerin Maria Ward gehalten: „Ich habe stets das Licht geliebt.“

 

FOTOS

Abschied von Schwester Franziska Weidinger CJ (5. v. rechts) mit vielen Weggefährten (v.links): Bürgermeister Josef Schifferer aus Neuhaus, Landrat Franz Meyer, Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner, Provinzialoberin Schwester Sabine Adam CJ, Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz-Günther Kuhls, Generalvikar Dr. Klaus Metzl, die Deggendorfer Schulleiterin Aloisia Bauer, der frühere Vorstandsvorsitzende Karl Geisenberger und die Vorsitzende des Stiftungsrates Schwester Angela Fries CJ.

 

Musikalische Abschiedsgrüße gab es mit dem "Gefangenenchor" der Schulleiter und von den Schülern der Neuhauser Realschule.

 

Sie dankten Schwester Franziska (links) für den Dienst an den Schulen: Schulleiterin Aloisia Bauer von der Maria Ward Realschule Deggendorf und Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz-Günther Kuhls.

Text und Fotos: Dr. Hans Würdinger

 

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